———— ““
¹
=
Kein Blatt regte ſich an den Bäumen des Ufers und am Gebüſche der grünen Inſeln, an denen das trauliche Fahrzeug dahinglitt. Die ſchwüle Luft ſchien unter den Wetterwolken zu erlahmen, die ſich über den nahen und entfernteren Höhenzügen beider Ufer verſammelten. Da hingen aus ſchwarzgrauen Wolkenflächen weißglänzende Maſſen tief zur Erde oder hoben ſich ſogenannte Wetter⸗ köpfe ſilberſchäumig, puderlockig empor. Die Sonne barg ſich hinter einem Flore, der von Oſt und Weſt herauf mit Federwölkchen durchſetzt, ſich langſam verdichtete.
Ausgeſtreckt unter dem Ruder des kleinen Schiffes lag deſſen Lenker,— Jean Baptiſt, und plauderte mit Garzweiler, der neben ſeinem Gepäck im Schat⸗ ten des kleinen Zeltes ſaß, die Weſte aufgeknöpft und die Halsbinde gelockert. Endlich war es dem geiſtlichen Rathe gelungen, ſich aus dem Netze ſeiner Geſchäfte oder viel⸗ mehr vom Zuggarn ſeiner Umtriebe loszumachen, und das alte Verlangen nach Oeſtrich zu befriedigen. Auf ſein Anſuchen hatte ihn der Kurfürſt beurlaubt und den Hof⸗ prediger Hober zu ſeinem Beichtvater für die Fahrt zum frankfurter Wahl⸗ und Krönungstage beſtimmt.
Garzweiler empfand lebhaft das Glück ſeiner hoffnungs⸗ vollen Freiheit; er war heiter und aufgeräumt. Sein Herz lachte hinter all' den abgeſchüttelten Plackereien her den traulichen Stunden entgegen, nach denen es ſich längſt geſehnt. Wiederholter Verdruß und mancherlei Kränkun⸗ gen, die er ſeit einem halben Jahr erfahren, hatten ihm die Angelegenheiten und Geſchäfte, denen er ſo lang und mit ſo viel Aufopferung bedient geweſen, in tiefſter Seele verleidet. Er überdachte, ſo lang er Mainz im Auge
——


