Erſtes Kapitel.
Auf die Abreiſe der Wahlbotſchafter von Mainz an die verſchiedenen Kurfürſtenhöfe folgten ruhigere Wochen. Der Prunk und das Aufſehen ihrer Ausrüſtung und Abfahrt war für längere Zeit der letzte Gegenſtand einer öffent⸗ lichen Theilnahme geweſen; denn Jedermann fühlte, daß nun die Zeit geſetzlich gemeſſen ſei, in der man ſich der gehofften Vorgänge und Feſte zu gedulden habe. Inzwi⸗ ſchen entfaltete der Frühling ſeinen Reichthum und lockte mit friſcheren Reizen das Herz und die Thätigkeit der Menſchen.
Sobald aber mit dem Juli der Wahltag des neuen Kaiſers herannahte und die Prachtwagen des Kurfürſten aus ihren Schuppen gezogen wurden, um für Frankfurt aufgeſchmückt zu werden, erwachte die alte Unruhe und brachte die ſc=hlummernden Erwartungen auf die Beine. Die Vorkehrungen, die man im Schloſſe zur Abreiſe des Kurfürſten treffen ſah, beſchäftigten die ganze Stadt, und Niemand würde begriffen haben, warum in dem gondel⸗ artigen Schiffchen, das man eines Nachmittags ſo ſtill den Rhein hinunterſchwimmen ſah, ein Sonderling gerade jetzt abſichtlich der Stadt und aller bevorſtehenden Herr⸗ lichkeit zu entfliehen ſuchte.
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