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Wie allerliebſt, wie graziös! rief er dazwiſchen bei halb⸗ verdeckten lüſternen Scenen, und ſetzte wol auch, wenn unſtttliche Verhältniſſe der Geſellſchaft dargeſtellt waren, hinzu: Aber, wie wahr, Sophie!
Manche ſeiner Bemerkungen erſtickten unter dem lei⸗ nenen Taſchentuche der abwehrenden Gräfin, und ſeine verwegene Hand zuckte wol auch einmal von einem Stich in der großen Zehe zurück.— Heinſe berichtet mir, der Louvet de Couvray ſei Conventsmitglied, bemerkte der Kurfürſt. Dann aber gehört er gewiß zur Hofpartei: man kann nicht ſo fein, ich möchte ſagen, ſo adelig ſchrei⸗ ben, und dabei ein wüthender Republikaner ſein. Solche geſchmackvolle Poeſie kann nur bei Höfen beſtehen und Glück machen. Hier ſpringen dem Dichter die Quellen ſeiner Erfindung, und wachſen die Lorbern ſeines Ruhms. Bei Freiheit und Gleichheit arten die Muſen in Fiſchwei⸗ ber aus.
Der Weihbiſchof Heimes ward gemeldet, und die Grä⸗ fin entfernte ſich in das Kabinet. Der Fürſt empfing den ſtracken Mann, der ſich ſteif und tief verneigte, mit vornehmer Freundlichkeit.— Herr Biſchof zu Vallona,
redete er ihn an, ich wollte Ihnen nur zur Berathung
im Vicariat eine Sache von Wichtigkeit an das Herz legen. Wir haben jetzt unſere Anſchläge zur Beſtreitung der Kaiſerkrönung und des Beſuches der hohen Potenta⸗ ten gemacht. Wir werden die Hauptſache durch Verkauf einiger Güter und mittelſt eines Anlehns decken; können aber unſere getreuen Unterthanen nicht ganz mit Steuer⸗ aufſchlag verſchonen. Nun wiſſen Sie,— durch Geben und Nehmen beſteht die bürgerliche und moraliſche Welt,


