Teil eines Werkes 
Bd. 7Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 1 (1857)
Entstehung
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Bonbonniere ſtanden. Die Gräfin hatte ihr Tabouret dicht an den Seſſel gerückt, an den ſie, etwas tiefer ſitzend, ſich anlehnen konnte. Sie war einfach, aber geſchmackvoll gekleidet; ihr Haar duftete von der Pomade, die der Fürſt zu riechen liebte; ihr Kleid war tief ausgeſchnitten; doch hing ein ſeidenes Tuch neben ihr, zum Umlegen, wenn Anmeldungen geſchahen.

Wunderſamer Contraſt dieſes vertraulichen Paares! Ein welker erzbiſchöflicher Talar, mit großem diamantenen Kreuze behangen, neben einem ſtrotzenden ſeidenen Damen⸗ kleide mit hoher Taille und goldenem Medaillon, aus wel⸗ chem von den zwei Seiten die Bildniſſe des verſtorbenen Gemahls und des noch lebenden Freundes ſo bedeutſam lächelten. Ueber dem Marmorſchimmer der ſchönen Frauen⸗ ſchulter wackelte der greiſe Kopf des Fürſten mit den ge⸗ ſpannten Augen, der geſchwungenen Naſe und den derben Lippen. Aus dieſen Falten der Stirne blickten ſchalkhafte Erinnerungen, und zwei ſtarke Furchen, von der Naſe nach dem Kinn geſchweift, umhegten das Gebiet der Lip⸗ pen, auf deren welkem Roth die alte Begehrlichkeit noch nicht ganz erloſchen war.

Auf die rechte Lehne des Seſſels geſtützt, blickte Karl Friedrich über die Schulter der ſchönen Frau in das Buch, aus welchem ſie ihm vorlas. Es war der vor Kurzem erſchienene Roman Louvet's de Couvray, Les amours de Faublas, eine bändereiche Ge⸗ ſchichte, die jetzt von der vornehmen Welt verſchlungen wurde. Mehre Bände in fein marmorirtem Leder mit marmorirtem Schnitte lagen auf dem Tiſchchen.

Die Gräfin las, und der alte Herr ſchmunzelte.