382 2 in den edelſten Irrungen eines liebeſuchenden Herzens. Ein Anbetender kniet vor dem Bildniſſe ſeiner Gottheit, das er mit ſeinen beſten Geſchenken ausgeſchmückt hat, und empfängt ſeine Opfer von ihrem Altar als Gnaden⸗ geſchenke zurück. Franz Karl bedurfte jetzt nur einer ſo reizenden Zuhörerin, nur dieſer ſchönen, lachenden, leuch⸗ tenden Augen, die ſeine eigene Begeiſterung beſtrahlten, um ſich an dem zu entzücken, was doch nur auf ihn zu⸗ rückfloß.
Jetzt hielt es die Gräfin an der Zeit, den Kurfürſten für ihre Abſicht der Verheirathung und Ausſtattung Jo⸗ ſephinens zu gewinnen. Die Umſtände begünſtigten ſie. Der alte Herr litt nämlich an einem Anfalle von Po⸗ dagra, und ſie leiſtete ihm halbe Tage Geſellſchaft. Die Hof⸗ und Staats⸗Conferenzen wurden im Krankenzimmer gehalten, und während derſelben eilte die Freundin nach Hauſe, ihre eigenen Angelegenheiten zu beſorgen. Bei kürzeren Audienzen blieb ſie entweder um ihren hohen Freund, oder trat auf die Dauer der Unterbrechung in das anſtoßende Gemach.
Der Leibarzt hatte den Patienten aus dem Bett ent⸗ laſſen und auf einen hohen Rollſeſſel mit vorſpringendem Ruheſchemel für den leidenden Fuß gebannt. Es war ein lauer Apriltag, der mit Regenſchauern und Sonnen⸗
blicken wechſelte. Die Lüfte gaukelten in den ſeidenen. Vorhängen des offenen Fenſters und ſpielten um die blü⸗ henden Stauden, die aus dem Gewächshauſe vor die gro⸗ 1
ßen Spiegel geſtellt waren. Der Fürſt ſaß in Mitte des Zimmers neben einem Mahagoni⸗Liſchchen, auf welchem zwiſchen Büchern und Schriften die Waſſerflaſche und die


