Teil eines Werkes 
Bd. 7Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 1 (1857)
Entstehung
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tragen mochte. Die Pergamentbriefe lagen fertig bis auf die einzutragenden Namen der Geſandten. Nun ſtand innerhalb dreier Monate das Krönungsfeſt bevor. Von dem Tage ſelbſt war der Magiſtrat der Wahlſtadt aus dem kurfürſtlichen Kabinet zu benachrichtigen, um die Quartiere der Kurfürſten und ihres Gefolges anzuordnen und für die öffentlichen Bedürfniſſe zu ſorgen. Der Ma⸗ giſtrat antwortete und leiſtete ſeine feierlichen Zuſagen. Die Kurfürſten meldeten, ob ſie in Perſon oder durch Bevollmächtigte erſcheinen würden. So bereitete ſich der große Tag vor, zu dem der Kurfürſt mit zahlreichem Ge⸗ folge nach Frankfurt ziehen und das Haupt der Majeſtät wählen und ſalben ſollte. Franz Karl wünſchte ſich einen nähern Antheil an dem hohen Vorgang, wenigſtens als begünſtigter Zuſchauer, da er keine Möglichkeit ſah, als Mithandelnder oder Theilnehmer dabei aufzutreten.

Die Frühlingsſtimmung kam noch dazu, die ihn be⸗ ſonders ergriff und ſchwärmeriſch erhob, wenn er zu Pferd an den Ufern des Rheins oder zwiſchen den auf⸗ grünenden Hügeln und aufblühenden Bäumen nach den nächſten Dörfern hinausſtürmte.

Mit ſo viel innerer Aufregung beſuchte er wieder flei⸗ ßiger die Abende der Gräfin Coudenhove. Hier hörte er denn auch wieder von Leopold's Krönung, bei welcher die Famlie Coudenhove in den Grafenſtand erhoben wor⸗ den war. Die kluge Frau beſchäftigte ſeine Phantaſie und ſeine Erwartungen, und irrte nicht in der Berechnung, daß die hohe Stimmung des Barons ihrer Nichte zu gut kommen müſſe, mehr, als jenes trauliche Alleinſein, das ſie jetzt zu hindern wußte. Der junge Freund ſchwärmte