358
von Venningen, ſagte ſie, ſo würden Sie ſolche Zeichen edeln Muthes beſſer verſtanden und gewürdigt haben. Doch Venningen lachte nur, und jagte ſich in ſeiner un⸗ bekümmerten Weiſe mit dem Hund umher, ziſchte und hetzte ihn zum Bellen, erwiſchte ihn am Ohr oder Schweif, bellte ihm nach, ſo daß es einen wahren Hundelärm ab⸗ ſetzte.
Dieſem Spektakel machte Herr von Montleveau ein Ende, der Freund der Gräfin, der ſehr aufgeregt eintrat, finſter und flüchtig grüßte, und ſich ſehr mürriſch in einen Seſſel warf.
Aha! rief Venningen in ſeinem ſeltſamen Franzöſiſch, ich ſehe, Sie ſind müde, Herr von Montleveau. Sie haben Ihre Sprünge gemacht,— Ihre dreifarbigen Kreuzſprünge!
Beten Sie Ihr Brevier, Herr von Venningen! ant⸗ wortete der Franzoſe mit verächtlichem Blick, und brach in die heftigſten Aeußerungen über Mainz und dieſe Bürger⸗ Canaille aus, in die der Dämon des Jakobinismus ge⸗ fahren ſei.— Man ließ ihn eine Weile reden; als er aber auch den mainzer Adel beſchuldigte, daß derſelbe we⸗ nigſtens theilweiſe der Revolution zugethan ſei, verſetzte Franz Karl ruhig, aber nicht ohne Empfindlichkeit:
Es wäre kein Wunder, mein Herr, wenn man die Revolution weniger haſſenswerth fände, nachdem man die Feinde und Flüchtlinge derſelben näher kennen gelernt hat. Ich muß unſere Mainzer vertheidigen. Man braucht der Revolution noch nicht anzuhangen, wenn man ſich von übermüthigen Gäſten nichts gefallen läßt oder manche Antipathien der Revolution lächerlich findet. Der mainzer


