Teil eines Werkes 
Bd. 7Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 1 (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5⁵

Haben Sie ſchon— Sie ſind doch ſchon etliche Tage hier, nicht wahr, Herr Düc? Sie haben wol ſchon meine Favorite beſucht?

Ja, Monſeigneur, antwortete de la Force. Ich habe geſtern die Ehre gehabt, mit ihr zu Mittag zu eſſen.

Er ſah ſich dabei mit artigem Lächeln nach der nahe ſtehenden Gräfin Coudenhove um. Eine verblüffte Stille entſtand. Der Kurfürſt blickte erſt den Franzoſen ver— wundert an, wie es gemeint ſei, und als er das Miß⸗ verſtändniß begriff, trat er mit ignorirender Artigkeit zur Gräfin und führte ſie in den anſtoßenden Saal, aus wel⸗ chem man das verſtohlene Stimmen einiger Violinen ver⸗ nommen hatte. Die Anweſenden folgten, ohne des ge— wohnten Abſtichs zu achten, den die wackelnde Stutzperrücke neben der ſteifen Damenfriſur, der violette Talar neben dem meergrünen Atlaß der Gräfin und die zwei ſchwarzen Bäffchen unter dem welken Kinn des greiſen Prälaten neben der blendenden Bruſt der reizenden Frau machten. Am weiteſten blieben die beiden Franzoſen zurück. Denn Montleveau, ein ſchöner, kräftiger Mann, hatte den klei⸗ nen, mit gezierten Bewegungen hüpfenden Düc bei Seite genommen und flüſterte ihm ſchadenfroh ins Ohr: Ein beleidigendes Mißverſtändniß, mein Herr Düc! Der Kur⸗ fürſt ſprach von ſeiner Sommerreſidenz Favorite.

Der Düc tippte erſt verlegen in ein goldnes Spaniol⸗ döschen und erwiderte dann wegwerfend: Pah! Was liegt daran? Mein Gott, dieſer Pfarrer von Mainz, dieſer Parvenü, und ein Luſtſchloß! Wer denkt daran? Fa⸗ vorite—? Was? Favorite iſt eines Pfarrers Haushäl⸗ terin. Wie, mein Herr? Wiſſen Sie—?