Teil eines Werkes 
Bd. 7Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 1 (1857)
Entstehung
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verrückt uns die kanoniſchen Stunden und die Schäfer⸗ ſtündchen. Hören Sie, Freund! Ich habe mir ein eigenes Plänchen gemacht. Schauen's! Mit meiner Willenskraft das Alte behauptend, und mit meiner Geiſteskraft das Neue ſtudirend, bin ich jetzt von beiden Parteien der praktiſchen Welt geſucht. Mein Stand wird mir als etwas Unwillkürliches nicht ſo hoch angerechnet, als meine Frei⸗ ſinnigkeit; doch dienen mir beide: die adelige Partei läßt mich für redlich, die andere für einſichtig gelten. Siegt nun das Alte: ſo iſt mir ein Fürſtenſtuhl gewiß; ſiegt das Neue, ſo hab' ich Frieden mit den Eroberern, laſſe das Hofweihwaſſer und die adelige Theologie vertrocknen, und ſetze mich auf eine Miniſterbank. Moderata durant, zu deutſch: Lederne Modeſten dauern lange.

Die Flügelthüren gingen auf; man ſah zwei Heiducken ſtehen, und gleich darauf trat der Kurfürſt ein. Er war in violettem Talar mit ſchwarzen Bäffchen, trug eine runde ſtark gepuderte Perrücke und ein Demantkreuz auf der Bruſt. Ihm folgte ſein Bruder, der Oberſthofmeiſter Baron von Erthal, und der General⸗Feldmarſchall⸗Lieute⸗ nant Graf von Hatzfeld mit dem Maltheſerkreuz. Für einen Siebenziger ſah der Fürſt munter genug aus, und bewegte ſich lebhaft. Scharfe Züge, eine ſtark gebogene Naſe und ein derber Mund charakteriſirten ein mehr klu⸗ ges, als gütevolles Geſicht. Er blickte ſtolz umher; wie es denn ſeine Art war, bei unbedeutender Geſtalt mit den großen ſcharfen Augen zu imponiren.

Die Anweſenden ordneten ſich in einen Halbkreis. Die Gräſin Coudenhove trat mit der Baroneſſe von Wallbrun vor; indem Beide, der geiſtlichen Hofſitte gemäß, den