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könnte. Denn wenn auch die erfahrene Kränkung den jungen Baron nicht empfänglicher für die bezaubernde Erſcheinung der ſchönen Fides gemacht hatte: ſo hing er nun doch in ſeiner träumeriſchen Stimmung und Einſam⸗ keit dem neuen und lebhaften Eindrucke mit ganzer Seele nach. Leid und Sehnſucht rührten in ſeinem Herzen jene Sentimentalität an, die zu damaliger Zeit noch in der deutſchen Atmoſphäre ſchwebte, von welcher jedoch der junge Baron in goldnen Mainz bis jetzt noch wenig empfunden hatte. Er las jetzt viel, am liebſten empfind⸗ ſame Gedichte, und griff auch zum erſten Mal nach den „Leiden des jungen Werther“, in die er ſich ganz ver⸗ tiefte. In Göttingen war er mit ſo manchen poetiſchen Schriften bekannt geworden, die in den mainzer adeligen Kreiſen noch keine Aufnahme gefunden hatten; da man hier wenig las und nur die leichtfertigſten Sachen der Franzoſen liebte. Er ſuchte nun jene Schriften wieder hervor, las, und glaubte das Schönſte und Zarteſte jetzt erſt recht zu empfinden. Sein Herz überließ ſich einer ungemeſſenen Schwärmerei.
In dieſer Stimmung erregte er die Beſorgniß ſeiner Mutter. Mit der Schweſter ſtand er ſeit Kurzem auf geſpanntem Fuße, ſeit nämlich der Kapitular Fritz Graf von Stadion von ihr wegblieb, dem Franz Karl, ärger⸗ lich über das hingebende Benehmen der Schweſter, einige⸗ mal ziemlich unfreundlich begegnet war. Die alte Baronin nahm das traumſelige Weſen des Sohnes für Nieder⸗ geſchlagenheit über die erfahrene Kränkung. Sie fand ihn blaß ausſehend und ſein ſtolzes Auge matt. In ihrer Angſt um den Liebling ſetzte ſie, ſobald der Kurfürſt


