Gräfin. O ich habe auch meine Beichtgeheimniſſe, wie Sie ſehen!
Wer zweifelt daran, Frau Generalin? antwortete er. Ich danke Ihrem reizenden Zorn einen intereſſanten Einblick, und freue mich nun, daß Sie des jungen Barons nicht nöthig haben, um an die Geheimniſſe des kurfürſtlichen Kabinets zu kommen. Der Weg, der Sie zu dieſem Papiere geführt, iſt kürzer, ſtiller und ſicherer.
Höchſt ärgerlich über ihre Unbeſonnenheit, die ſie jetzt einſah, rief die Gräfin lebhaft: Das iſt kein Weg, bösartiger Menſch! Das war ein Zufall, eine Gunſt des Augenblicks! Uebrigens ſchenke ich Ihnen den Plan mit dem jungen Baron. Ich verſpreche mir nichts von dem Schwärmer. Ich will ſagen— ich gebe ſolche Abſichten auf. Thun Sie, Pater Ignaz, was Sie wollen. Be⸗ fördern werde ich den Baron, weil er ausgezeichnet und der Sohn meiner Freundin Wallbrun iſt. Ich werde edel zu handeln wiſſen, und darin vergeſſen, daß ich je mit Ihnen vertraut war, und auf ſolche Umſchweife dachte, mir das Zutrauen des Kurfürſten zu erſetzen.
Zutrauen! Ich würde dieſe Kränkung überhaupt heitrer nehmen, meine Gnädige! erklärte Garzweiler, indem er mit argliſtigem Lächeln nach Hut und Stock griff. Der Kurfürſt überredet ſich gern, von europäiſchem Gewicht und Einfluß zu ſein. Preußen und die Emigrirten ſchmeicheln ihm das ein, um ihn leichter für ihre Intereſſen zu ge⸗ winnen. Die Politik entwickelt jetzt neue Reize für ein alterndes Fürſtenherz. Ich würde dazu lächeln, Frau Ge⸗
neralin. Läßt ſich der alte Herr von der Politik einneh⸗
Koenig, Clubiſten in Mainz. I. 3


