Teil eines Werkes 
Bd. 7Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 1 (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

31.

und wie ſehr man ſich, um weltwirkſam zu bleiben, vor jedem andern Affekte hüten muß, erfahre ich ſelbſt ſchon als jüngerer Mann. Nichts könnte mir bei meinem hohen Berufe gefährlicher werden, als was Sie, meine liebens⸗ würdige Freundin, mir vorhin als das—„menſchlichſte Glück“ ſo lockend zeigten. Jeder Simſon einer erhabenen Beſtimmung muß ſich vor der Schere der leidenſchaftlichen Liebe hüten.

Eine Zornesröthe überflog das Angeſicht der beleidigten Frau.— O Sie Heuchler! rief ſie, und ſtand auf. Sie ſind kein Simſon, Sie ſind ſeiner losgelaſſenen Füchſe einer!

Dann nehmen Sie gütigſt Ihre Saaten vor mir in Acht! lachte Garzweiler.

Sie drohen mir? zürnte die Gräfin. O, Sie thö⸗ richter Mann! Sie Unbeſonnener! Glauben Sie, man werde nicht auch noch einmal hinter Ihre geheuchelte Ent⸗ haltſamkeit kommen, Pater Ignaz? So wahr ich Couden⸗

hove heiße,— Ihre ſalomoniſche Weisheit ſoll mir noch entlarvt und beſchämt werden! O! ich durchblicke Ihre ganze Schurkerei, aber auch Ihre Albernheit! Sie haben den Baron Franz Karl umſponnen; Sie wollen ihn durch mich in die Nähe des Fürſten befördern laſſen und ihn dann für ſich allein, für Ihre ſchleichenden Abſichten ge⸗ brauchen. Aber Sie ſollen mich in Ihrem Uebermuthe nicht umſonſt beleidigt haben,— das ſchwöre ich Ihnen!

Danke, danke für Ihre freundliche Geſinnung, meine Gnädigſte! Man kann nicht beſſer zu meinen Gunſten reden, als Sie es eben thun. Will man mir geheime politiſche Abſichten und zu gleicher Zeit die Unbeſonnenheit

—