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Simeon ſprach ſeinem lieben Papa Müller die Leichenrede, indem er eine beredte Schilderung der einfachen Perſön⸗ lichkeit und der vielfachen Verdienſte deſſ ſelben mit den Worten ſchloß:
„Die Gelehrſamkeit verliert in ihm einen ihrer treue⸗ ſten Günſtlinge, die ſchönen Wiſſenſchaften einen Mann, der ihnen neuen Glanz mittheilte, der König einen eifri⸗ gen Diener, wir, meine Herren, einen Freund, einen Collegen; aber ſein Andenken und ſeine Werke werden ihn uns wiedergeben. Der Menſch, der, aus dem Leben ſcheidend, einen Theil ſeines Geiſtes unter den Mitmen⸗ ſchen zurückläßt, und durch nützliche und bleibende Werke die Thränen lohnt, die wir um ihn vergießen,— er
ſtirbt nicht ganz.“——
Dem verzagteſten Manne folgte ſehr bald der toll⸗ kühnſte von Hermann's Bekannten. Der Oberſtlieutenant
Emmerich, in die Verſchwörung verwickelt, die einen Mo⸗
nat nach Müller's Tode in Marburg ausbrach, wurde ſtandrechtlich verurtheilt, und ward unter ſtarker Bedeckung an dem früheſten Sommermorgen hinaus auf den Forſt geführt. Die Sonne ging über dem Zug des Söoͤhrewaldes auf, als der zweiundſiebzigjährige Greis, ſein thoͤnernes Pfeiſchen rauchend, noch einmal ruhig umherblickte. In dem wallenden Nebel des Gebirgsabhanges zog noch einmal flüch⸗ tig die Erinnerung an die luſtigen Abenteuer ſeines langen Lebens vorüber. Und wie ſein Pfeifchen ausgeraucht war, ſagte er gegen die Soldaten gerichtet, die mit dem Pulver und Blei des Kriegsurtheils ihm gegenüber ſtanden: Ein ſchöner friſcher Morgen, Kameraden! Eine char⸗ mante Dame hat mich einmal den Frühſtücksmann ge⸗


