Teil eines Werkes 
Bd. 4König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 3 (1855)
Entstehung
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409 nannt: nun, ſo früh wie heut hab' ich ſonſt nur im Feldlager und in Capagnen gefruͤhſtückt. Ihr habt an⸗ gerichtet, Burſche? Damn! Ich wollt', ihr hättet einen richtigern Mann zu bedienen, als den alten Parteigänger Emmerich. Aber, es macht doch heut ſchaurig kalt. Wohlan! Capitän, geben Sie Feuer!

Eines gewaltſamen Todes ſtarb denn einige Jahre ſpäter auch der frühere Kriegsminiſter Morio als Groß⸗ ſtallmeiſter des Königs. Er war, ohnehin etwas barſch wir laſſen es hingeſtellt ſein, ob etwa durch frühere, ihm noch zugetragene Geſchichten eiferſüchtig, noch brutaler geworden, und behandelte ſeine Untergebenen ſehr hart. Die Polizei in den hintern Höfen führte er mit der Peitſche, berichtet ein Zeitgenoſſe, und theilte rechts und links Hiebe mit einem ſo würdevollen Phlegma aus, daß es zum Lachen war. Ein Hufſchmied, Namens Leſage, fand aber dieſe Behandlung und eine ihn mittreffende Gehaltsver⸗ minderung ſo wenig ſpaßhaft, daß er eines Morgens dem Großſtallmeiſter, wie er eben die königlichen Wagen unter⸗ ſuchte, eine Kugel durch den Rückgrat ſchoß, und die zweite gegen ſich ſelbſt verfehlte. Der König war tief betrübt, und ehrte ſeinen alten Liebling mit einem pomp⸗ haften Begräbniß, zu welchem Blangini einen Trauer⸗ marſch componirte, auswärtige Garniſonen herbeigezogen und Kanonenſchüſſe geloͤſt wurden. Der Biſchof hielt unter Mozart's Requiem das Seelenamt, Simeon die Leichenrede.

Noch bei einem Dritten ſeiner Freunde erſchien am Ende deſſen weſtfäliſcher Laufbahn der ehrliche alte Simeon,

Koenig, Jeröme's Carneval. III. 27