Teil eines Werkes 
Bd. 4König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 3 (1855)
Entstehung
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Zeitlang geblendet hatte. So war er ein hinfälliges Ge⸗ fäß geworden, dem der nächſte Stoß mit Zerbrechen drohte. Dieſer Stoß traf ihn nun auf der edelſten Seite ſeiner jetzigen Exiſtenz, als vereinzelte Unruhen da und dort im Lande in Marburg und in Halle ſich regten, an denen ſich auch die Studenten einigermaßen betheiligten. Der König ließ den Generaldirector des öͤffentlichen Unterrichts rufen, und überhäufte den armen Müller unter den heftigſten Vorwürfen mit Drohungen gegen die Univerſitäten. Toutes vos universités ne vaà- lent rien rief er, je les brülerai toutes. Müller wankte nach Hauſe. Eine gallichtnervöſe Krankheit ergriff und warf ihn raſch in Todesgefahr. Was half es, daß Baron Reinhard als franzöſiſcher Ge⸗ ſandter und Müller's Freund ins Schloß eilte, und den König unter den lebhafteſten Vorwürfen mit Napoleon's Ungnade bedrohte. Der Leibarzt Zadig, den Jeroöͤme zur Behandlung des Erkrankten ſchickte, ward dort zurück⸗ gewieſen. Doch ein Strahl der Zukunft Deutſchlands fiel noch in die letzte Stunde des großen Hiſtorikers: der Arzt Harniſch theilte ihm die erſte Nachricht vom Siege des Erzherzogs Karl über Napoleon bei Aspern mit. Müller ſtarb, und ward am letzten Maitage mit militäriſchen Ehren begraben.

Ein Bataillon des dritten Linienregiments gab eine Salve an der Wohnung, und begleitete den vierſpännigen Leichen⸗ wagen mit gedämpften Trommeln. Dieſem folgten in dem von drei Marſchällen und dem Superintendenten geführ⸗ ten Zuge die Miniſter, der Gouverneur, die Staatsräthe,

das Präfecturperſonal und über dreißig Equipagen. Miniſter