Nicht wahr, ich muß nach Prag?
Leiſe nickend, antwortete er:
Es wird gut ſein, werthe Nachbarin! Unſerm edeln Freunde wird eine liebreiche Hand gar wohl thun, die ihn pflegt; Herz und Auge der Gattin wird die ſchlaf⸗ loſen Nächte hüten und die kritiſchen Momente nicht über⸗ ſehen, die ihm bevorſtehen. Aber der Weg iſt weit, liebe Frau,— Sie müſſen eilen!
Gewiß muß ich eilen! Gehen Sie, beſtellen Sie mir einen Wagen hinüber! Ich fahre noch in dieſer Stunde. Sie, Mutter, geben unſerm Hermann Nachricht, und er wird alles Andere beſorgen; denn ich laſſe Alles liegen und ſtehen, wie es iſt.
Sie umarmte Frau von Stöͤlting und eilte fort.
Ehe der Freund jedoch die betrübenden Zeilen der Frau von Stölting erhielt, lief unmittelbar an ihn ein Brief Reichardt's ein, der ihn von dem gaſtriſch ⸗nervöſen Fieber, das Ludwigen mit aller Heftigkeit befallen habe, eiligſt in Kenntniß ſetzte, um Lina davon auf die geeig⸗ netſte Weiſe zu benachrichtigen.
Bis aber Hermann mit der guten Mutter Lina's nach dem Weiler kamen, war Lina ſelbſt ſchon weit fort un⸗ terwegs nach Prag. Die Mutter nahm Beſitz vom klei⸗ nen Gut, und es blieb nun für Alle nichts übrig, als mit Ergebung das Weitere zu erwarten und ſich eines guten Ausgangs zu getröſten.
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Welche angſtvollen vierzehn Tage mußten aber über⸗ ſtanden werden, ehe ein nächſter Brief ankam,— ſchwarz geſiegelt! Er war von Luiſe Reichardt, die auf Lina's


