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Wie der Wagen an der Wohnung der Frau von Stölting vorüberkam, eilte die erſchütterte Freundin, die vorher am Stift abgewieſen worden, an den Schlag, um den Damen Lebewohl zu ſagen. Marianne Stein hätte gern noch einmal ihr„Herzblättchen“ Cordula um⸗ armt; ſie wurde aber nicht aus dem Wagen gelaſſen, auch fürchtete die Mutter einen zu lebhaften Eindruck auf die Kranke. Doch dieſe, von dem Heulen und Weinen der Menſchen, beſonders der Armen, auf der Straße be⸗ unruhigt, hatte ſich vom Dienſtmädchen an das Fenſter führen laſſen, und war im Augenblicke, wo ſie, mit dem linken Arm auf die Führerin geſtützt, beim Anblick der bewaffneten Bedeckung und der aus dem Wagen vorge⸗ beugten Dechantin ſchreckhaft bewegt, mit einem raſchen Griffe das Fenſter öffnen wollte, unter ſchmerzlichem Aufſchrei in die Arme des Mädchens zurückgeſunken. Wäh⸗ rend der Bemühung deſſelben, die Erblaßte mit Eſſenz zu beleben, fand die Mutter einige Minuten ſpäter ihr Kind im Armſeſſel an einem Herzſchlag hingeſchieden.———
Das Verfahren gegen die Stiftsdamen ging kurzer Hand. Obgleich nachgewieſen wurde, daß die Fahne vom Baumbachshof herbeigebracht worden, Fräulein Karoline ſich auch freimüthig als Verfertigerin bekannte, und aus den Stiftsrechnungen keine ungerechtfertigte Ausgabe nach⸗ zuweiſen war, ſo blieb doch das ſehr bedeutende Ver— mögen des Stiftes eine große Verlockung. Es wurde unter Aufhebung der Anſtalt mittels Decrets für verfallen erklärt, obgleich es, zum groͤßten Theil im Ausland an⸗ gelegt, nicht eingezogen werden konnte. Die Aebtiſſin


