1
Jetzt konnte Hermann ſeiner guten Wirthin das Ge⸗ ſchick ihres Schwiegerſohnes nicht länger verſchweigen. Sie vernahm es mit jener Faſſung, die ältern Leuten, bei nicht mehr allzu lebhaften Empfindungen, leichter wird. Auch zogen nur allzu bald betrübende Begebenheiten in Homberg die befreundeten Gemüther in Mittheilnahme.
Zwar über Doͤrnberg vernahm der Freund beruhi⸗ gende Nachrichten. Der flüchtige Oberſt hatte beim Ober⸗ forſtmeiſter oder Forſtinſpector von Buttlar ſeine Uniform gegen einen Anzug vertauſcht, wie ſolcher zum Namen „Peter Müller“ paßte, unter welchem er mit einem An⸗ lehn der Aebtiſſin von zwanzig Friedrichsd'or glücklich über die Grenze ins Fuldaiſche entkam. In derſelben Richtung war ihm Ludwig gefolgt, und ſeine Hinterbliebenen ſahen nun mit mehr Hoffnung als Beruhigung ſeinen, Nach⸗ richten entgegen, die freilich auf geheimen Wegen ſo ſchnell nicht zu erwarten waren.
Kaum aber hatte ſich Hermann mit dieſer guten Aus⸗ kunft und nach heiterm Abendbeſuche bei Frau von Stöl⸗ ting und der holdſeligen Cordula, in der Frühe des Ta⸗ ges, zu Pferde gen Caſſel auf den Weg gemacht, als ſich in Homberg der Schreck verbreitete, daß in der Nacht ein Polizeicommiſſar angekommen ſei, das Damenſtift auf⸗ zulöſen.
Wirklich wurden unter der Beſchuldigung, daß die Stiftsfrauen die Fahne des Aufruhrs geſtickt und dreitauſend Thaler zum Aufſtande beigetragen hätten, die ſämmtlichen Papiere des Stifts in Beſchlag genommen und die Frauen Aebtiſſin, Dechantin und von Metzſch unter ſtarker mili⸗ täriſcher Bedeckung nach Caſſel abgeführt.
öͤöͤſͤſſſſſſͤͤ⁄ͤ 2


