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Doctor nicht geſagt, warum er uns ſo plöͤtzlich fortgelau⸗ fen iſt, was ihn etwa—?2
Kein Wort, Madame! Er kam heiter, wie geſagt, aber ſchon etwas ſpät; die übrigen Gäſte waren ſchon alle da, und das allgemeine Geſpräch zog ihn gleich mit ſich fort. Er konnte mir nur ganz flüchtig bemerken, daß er mich bei Mademoiſelle Cecile angekündigt habe. Den nächſten Morgen iſt er abgereiſt.
Lina brachte dies ziemlich zerſtreut vor. Die behut⸗ ſame, taſtende Weiſe der Miniſterin und der erwähnte Pagenanzug, deſſen auch in dem Briefe gedacht war, be⸗ ſchäftigten ihre Ueberlegung. Madame Simeon bemerkte es jedoch nicht. Auch ſie hatte noch eine hintere Reihe von Gedanken, mit denen ſie ſich wegen des verſchwunde⸗ nen Briefes beruhigte. Und da ſie Marinville erwartete, ſo machte ſie auch, als Lina ſich zum Fortgehen erhob, keine Umſtände, ſie länger aufzuhalten.
Wirklich war der Erwartete ſo nahe, daß ihm Frau Lina auf der Treppe begegnete. Er blieb mit ehrerbieti⸗ ger Begrüßung ſtehen, und redete ſie an, indem er es beklagte, um einige Augenblicke zu ſpät zu kommen.— Bei Madame Simeon hätte ich Sie feſtgehalten, ſagte er. Und wiſſen Sie, daß ich das Zaubermittel dafür beſitze? Ich hätte Ihnen erzählt, wie ſehr Se. Majeſtät der Kö⸗ nig Herrn Ludwig Heiſter ſchätzt,— ſeine Kenntniß der Verhältniſſe, ſeine Gewandtheit in Geſchäften, ſeinen kla⸗ ren Vortrag, ſein feines Urtheil. Ich ſehe der erſten Ge⸗ legenheit entgegen, wo wir Ihren Herrn Gemahl beför⸗ dern können. Nicht wahr, davon hätte ich mit Ihnen
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