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Tochter iſt ſeit dem Frühjahr leidend; Doctor Zadig hat ihr das Eiſenwaſſer von Pyrmont verordnet. Ich konnte ſie nicht begleiten, und ſo hat es Cecile gethan. Sie wird bedauern, um Ihren Beſuch zu kommen, Madame. Ich habe mir erlaubt, dieſe Seltenheit mir zuzuwenden, obgleich Ihre Artigkeit mir nicht zugedacht war.
Lina erwiderte mit einigen höflichen Worten, entſchul⸗ digte ihre bisherige Zurückhaltung auf die freundlichen Einladungen der Frau Miniſterin, und bedauerte die Ab⸗ weſenheit der Mademoiſelle Cecile, von der ihr Doctor Teutleben ſoviel Liebenswürdiges erzählt habe.
Wirklich? Hat er das? fragte Madame Simeon mit ſchlauen Blicken. Wir waren den letzten Abend ein wenig ungehalten über ihn. Iſt er nicht etwas verſtimmt zu Ihnen gekommen, etwas— nun wie ſoll ich ſagen—? Nicht?
Gar nicht, Madame! antwortete Lina. Wir hatten ihm zum Abſchied einige Freunde eingeladen und wurden den Abend noch recht luſtig.
So? In der That? Ich dachte, weil er ſo plöͤtzlich, ſo— gewiſſermaßen heimlich fortgeeilt war, gegen meine Verabredung. Ich hatte ihn noch gebeten, mit Cecile in den Salon zu kommen, und verſprach mir für meine kleine langweilige Geſellſchaft einen artigen Spaß. Cecile hatte ihn nämlich auf ihr Zimmer rufen laſſen; ſie war in ei⸗ nem Pagenanzug, und wollte, glaub' ich, eine kleine Rolle mit ihm verabreden. O Sie glauben nicht, Madame, welche artigen Talente meine Nichte beſitzt, und wie char⸗ mant ſie in verfchiedenen Rollen einen vertrauten Kreis rühren und manchmal auch äffen kann. Hat Ihnen der
Koenig, Jeröme's Carneval. III. 2


