Teil eines Werkes 
Bd. 4König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 3 (1855)
Entstehung
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Ich will hier tünchen und reiben laſſen; auch muß Einiges an Thür und Lambris in Oel aufgefriſcht wer⸗ den, erklärte Frau Wittich.

So? Das freut mich, daß du mit deinem Mieth⸗ manne ſo zufrieden biſt, um es ihm noch hübſcher einzu⸗ richten, ſagte Lina. Aber du eilſt ja ſo; kommt Hermann ſo bald zurück?

Das weiß er ſelber nicht, war die Antwort. Er läßt dich noch einmal herzlich grüßen. Wenn's fertig iſt, iſt's fertig, Lina, und der Oelgeruch kann eher vergehen. Auch die zurückgebliebenen Kleider müſſen einmal tüchtig ausgeklopft und an die Luft gebracht werden, ſchon we⸗ gen der Motten. Eins hab' ich vergeſſen: Sieh' doch einmal nach, ob noch Schnupftücher in den zurückgeblie⸗ benen Kleidern ſtecken und zur Waͤſche gehören.

Lina öffnete den Wandſchrank. Es war von Kleidern wenig zurückgeblieben. Außer dem häuslichen Ueberrocke mit leeren Taſchen hing der Frack von geſtern Abend da, und wirklich war noch ein Schnupftuch in der linken Taſche und in der rechten ein zuſammengedrücktes Papier. Auseinandergezupft und glattgeſtrichen ergab ſich ein Brief⸗ chen, franzöſiſch geſchrieben, hübſche runde Handſchrift, kleines Wappen in feinem Lack.

Lina kämpfte einige Augenblicke mit ſich ſelbſt. Es war ja offenbar eine männliche Hand, war ſo verknittert eingeſteckt, es konnte nichts Geheimes ſein. Am Ende ſiegte die Verſuchung, ſie zog ſich ins Seitengemach und las mit Herzklopfen:

Ich eile, liebenswürdige Cecile, Sie zu benach⸗