Teil eines Werkes 
Bd. 4König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 3 (1855)
Entstehung
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Ludwig blickte ihr ins Geſicht: ihr Mund lächelte, ihre Augen glänzten feucht. Er küßte ſie auf die Stirne, ſtreichelte ihre Wange und ſagte milder:

Nimm's denn im Guten, Herzchen, wenn ich noch einmal ſage: So geh' hin, beſuche dieſeMademoiſelle Cecile! Du wirſt das Beſte nicht an ihr finden, denk' ich.

Ludwig hatte dies letzte Wort mit ſo ironiſchem Lä⸗ cheln geſprochen, daß Lina hinter ſeinem Weggang in Nachdenken ſtehen blieb und überlegte, wie er es wol gemeint hätte?Ich würde das Beſte nicht an ihr fin⸗ den? ſprach ſie vor ſich hin. Meint er, weil es ihr fehle, oder, daß ich es nicht erkennen möchte? Nicht an⸗ erkennen, weil ich etwa nun ja, weil ich eiferſüchtig auf ſie ſei?

Die Haſt, mit der ſie jetzt die guten Sachen vollends vom Tiſch räumte, verrieth eine mismuthige Unruhe ihrer Empfindungen. In dieſer Stimmung gab ſie es auf, heut bei Cecile anzufragen. Sie ordnete mit der Magd die nöthigen Ausgänge in die Stadt und die Vorkehrun⸗ gen in der Küche an, und eilte nach der mütterlichen Wohnung, um von Hermann's Abreiſe zu hören.

Sie fand die Mutter auf Hermann's Stube, beſchäf⸗ tigt, die Vorhänge von den Fenſtern abzunehmen. Ein Bündel Wäſche lag auf dem Boden. Dieſe Unordnung und der regnichte Morgen machten ihr einen trübſeligen Eindruck.

Ach, wie öde ſieht es hier aus! rief ſie ſtatt eines freundlichen Morgengrußes der Mutter entgegen.