Teil eines Werkes 
Bd. 3König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 2 (1855)
Entstehung
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Coſtüm, worin ſie ſich doch jetzt wie verrathen vorkam. Nun hatte ihr die Tante eine Andeutung, eine Ausflucht gegeben; denn daß die Einladung in den Salon ernſtlich gemeint ſei, konnte nur Hermann glauben.

Indem ſie nun vergnügt ihr Mäntelchen ergriff und ihre rechte Hand in Hermann's Arm legte, blickte ſie ihm lieb und launig in die Augen, und ſagte:

So, mein Herr! Nun haben wir die Wahl, ein wenig ſpazieren zu ſchleichen, oder den Salon zu amüſiren.

Hermann blickte mit betrübtem Kopfſchütteln auf ſie nieder. Nein, ſagte er, wehmüthig bewegt, nicht um Alles möchte ich Sie ſo in der Geſellſchaft finden, Ceeile! Und ich ſelbſt ſollte Sie dahin führen? Bei Gott, nein! Aber auch nach Bellevue, über die Straße nicht! Hören Sie meine Bitte! Legen Sie dieſe Kleider ab! Sie ſtehen Ihnen reizend, ja; doch Sie werden mir fremd darin. Mit dem ſüßen Wohlgeruch, den dieſe Stoffe aushauchen, wandelt mich eine Trauer an, eine wunderbare Angſt. Wozu in aller Welt haben Sie dieſe Kleider? Wozu brauchen Sie ſolchen Anzug? Er iſt ganz für Sie ge⸗ macht. Weſſen Page ſind Sie denn, Cecile?

Sie ſchwieg, die Augen geſenkt, und der Freund fuhr fort:

Ich dachte Ihnen ein heiteres Lebewohl zu ſagen. Ich reiſe morgen, Cecile. Wenn Ihr Herz irgend ein Wohl⸗ wollen für mich empfindet, ſo erfüllen Sie mir zwei Bitten!

Sie richtete den Blick frei und fragend zu ihm auf, und er ſprach weiter:

Laſſen Sie mich hoffen, Sie bei meiner Rückkehr noch hier zu finden. Reiſen Sie nicht früher ab! Ich möoͤchte