393
troffen, ſuchte ſie ſich in einem Scherze zu faſſen, und ſagte:
Nun, ſo laß ich mir's noch gefallen, Cecile, daß du im Herrenanzuge einen jungen Herrn auf dem Zimmer empfängſt! Wenn du wüßteſt, wie gefährlich unſer jun— ger Freund im Boudoir der Damen iſt! Ich ſehe ſchon, du haſt einen köſtlichen Spaß vor und dir den Doctor zum Gehülfen rufen laſſen. Das kommt mir ganz er⸗ wünſcht; es geht doch drüben ein wenig langweilig zu. Ich habe zuviel von den deutſchen Baronen zu meinen Franzoſen eingeladen. Das miſcht ſich nicht gut; Keiner will dem Andern entgegenkommen, und es ſetzt immer eine ſchlechte Unterhaltung ab. Da iſt euer Verkleidungs⸗ ſpaß allerliebſt! Nun kommt nur bald nach! Ich will nicht wiſſen, was du vorhaſt, Ceeile; ich will mir ſelbſt die Ueberraſchung gefallen laſſen.
Sie ſtrich und zupfte an Cecile's Anzuge zurecht, wo⸗ bei ſie ihr verſtohlen einige Worte zuflüſterte, und ver⸗ ließ dann mit freundlichem Nicken gegen Hermann das Zimmer.
Ceeile hatte die Winke der Tante verſtanden, und ihre Miene verrieth, daß ſie ſich erleichtert fühlte.
Marinville's Billet nämlich war ihr im Pagenanzug übergeben worden, und hatte ſie durch eine geſtoͤrte Er⸗ wartung höchſt verdroſſen. Sie erfuhr durch den Kam⸗ merdiener, daß Hermann im Salon war, und verlangte ihn zu ſehen, zu ſprechen. In der Aufregung ihres Ge⸗ müths ward ſie jetzt erſt an ſeinem Staunen über ihren Anzug inne, wie ſehr ſie ſich mit ihrem Vorhaben über⸗ eilt hatte, und fand nicht gleich eine Erklärung für ihr Koenig, Jeröme's Carneval. II. 26


