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ihm angedeutete Thür des Corridors und öffnete etwas verzagt.
Aber— wie blieb er überraſcht ſtehen, als ihm der anmuthigſte Page entgegenkam. Mit Verwunderung er⸗ kannte er aber Cecile in dieſem Anzuge. Sie ſah ihn nicht lächelnd, nicht ſchalkhaft erwartend an, ſondern ſchien, wenn nicht gerade feierlich, doch hoch erregt, als ſie ihn leiſe und haſtig anredete:
Laſſen Sie uns ein Viertelſtündchen die Promenade der Bellevue auf- und abgehen! Ich werfe ein Mäntel⸗ chen über, und es iſt ſchon Dämmerung. Erlauben Sie mir nur—!
Sie trat vor den Spiegel, das Weſtchen zu knöpfen, gegen das ſich die bewegte Bruſt ſperrte.— Dort liegt mein Schnupftuch auf dem Sopha: reichen Sie mir's! ſagte ſie erregt und zerſtreut.
Hermann, verwirrt, was er thun, was er laſſen ſolle, holte ihr das wohlriechende, feine Tüchlein; ſie wiſchte ſich die Stirne damit, gab es zurück, und ſagte jäh, wie vorher:
Stecken Sie mir's in die Taſche!
Hermann that es, während ſie an ihrem Haar ord⸗ nete. Die Berührung ihrer Glieder durch das knapp anliegende Kleid verwirrte ihn noch mehr; er ſtieß mit der Hand auf ein eingeſtecktes Papier, und ehe er nur bedachte, was er aus dunkler Eingebung that, hatte er es erfaßt und war damit in ſeine eigene Taſche gefahren. In demſelben Augenblicke ging hinter Beiden raſch die Thür auf, und Madame Simeon trat lebhaft ein. Sicht⸗ lich, und wie es ſchien über den Anzug der Nichte be⸗


