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die merkwürdigſte Betiſe, die wir lange gehabt haben. Ein Generalbetiſe, ſage ich Ihnen!
Aber, mein Gott, wie ſoll ich mir das nur denken? Fatal! Da kommen—
Neue Ankömmlinge unterbrachen die Vertraulichkeit. Die Dame des Hauſes mußte empfangen, vorſtellen, unterbringen. Sie ſuchte es zu beſchleunigen.
Inzwiſchen hatte Hermann vernommen, daß Ceeile krank geworden ſei und das Bett hüte. Er war in pein⸗ licher Verlegenheit, gab zu verſtehen, daß er noch bei Freunden zum Souper erwartet werde, und konnte ſich doch nicht entſchließen zu gehen. Die Frage beſchäftigte ihn, ob es wol unſchicklich gefunden werde, wenn er bäte, Cecile am Bette begrüßen zu dürfen, um ihr Lebewohl zu ſagen. Er wußte, daß franzöſiſche Damen in Caſſel auch zu Bett Beſuche von Herren anzunehmen pflegten, und wollte eben ſeinen Wunſch vorbringen, als der Kam⸗ merdiener des Miniſters zu Lucien herantrat, ihr ein Brieſchen überreichte und ein zweites zurückbehielt.
Was iſt mit dieſem da? fragte Lucie, ihr Billet haſtig erbrechend.
Von Herrn von Marinville an Mademoiſelle Cecile,— ſehr preſſant! antwortete der Diener; worauf Lucie, ihr Blatt entfaltend, mit einem Seitenblick auf Hermann, verſetzte:
Preſſant? Nun, ſo bringen Sie es nur hinüber! Legen es auf den Tiſch, falls Cecile—
Dieſe Anweiſung befremdete Hermann. Er war gleich anfangs von der Leſenden zurückgetreten.— Was iſt das? überlegte er. Auf den Tiſch? Sie ſcheint alſo nicht zu Hauſe zu ſein, und wird mir doch krank gemeldet?


