Als er in den Salon trat, waren ſchon mehre Herren und Damen anweſend. Nur Ceeile fehlte, was Hermann ſogleich bemerkte. Die Miniſterin unterhielt ſich eben mit der Generalin Salha, und glaubte der ſtolzen Freundin den jungen Mann vorſtellen zu müſſen, obgleich ſie wußte, daß er ihr bekannt war. Auch ignorirte die Generalin ſelbſt ſeine frühere Aufwartung, ohne daß ſie die heitere Bewegung unterdrücken konnte, die ſie bei ſeinem Anblick empfand. Sie hielt denn auch nicht lange damit zurück, ſondern nahm, ſobald ſich Hermann zu Lucien, der Stief⸗ tochter Simeon's, geſetzt hatte, die Miniſterin beiſeite, ihr„das piquanteſte Geheimniß von der Welt“ zu ver⸗ trauen.
Beide Damen ſtanden in dem eigenthümlichſten Freund⸗ ſchaftsverhältniſſe. Gemeinſame Beziehungen, die des Ge⸗ heimniſſes bedurften, legten ihnen wechſelſeitige Rückſichten auf. Beide waren ſchlau genug, durch Vertraulichkeiten ein gutes Einverſtändniß zu unterhalten, dabei aber im⸗ mer aufgelegt, kleine Bosheiten gegen einander auszulaſſen. Sie ſtreichelten und kratzten ſich abwechſelnd.
Wiſſen Sie denn, flüſterte die Salha, daß dieſer junge Mann, der jetzt in ſo hohem Grade Ihr Intereſſe gewonnen hat, Morio's Heirath— Doch nein, nicht möglich, daß Sie das wüßten! Niemand weiß es, und— es bleibt noch ein Geheimniß, ein Vorbehalt meiner Re⸗ vanche. Nur Ihnen im freundſchaftlichſten Vertrauen ſage ich davon, des jungen Mannes wegen, auf den Sie doch Abſichten haben. So wiſſen Sie denn: Er hat dieſe Heirath— wie ſoll ich ſagen?— gemacht, veranlaßt, herbeigeführt, verſchuldet! Wie Sie wollen. O es iſt
8


