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Rechtſchaffenheit ſich in ſchweren Jahren hundert⸗ und hundertfach erprobt hatte.
Baron Reinhard erwartete ſtündlich ſeinen Urlaub zu einem Sommeraufenthalt auf ſeiner Beſitzung Falkenluſt am Rhein. Er hatte ſeine Abweſenheit zuerſt nur auf die Dauer der Abweſenheit des Königs im Bade Nenn⸗ dorf beſchränkt gehabt, wünſchte nun aber gern den gan⸗ zen Herbſt dort zuzubringen. Er wiederholte, als Her⸗ mann ſich empfahl, ſeine Einladung dorthin, während der junge Mann ſelbſt der ihm von Luiſen bei ihrem Abſchied gegebenen Anweiſung an den Geſandten entweder rein vergeſſen hatte, oder ſich vielleicht auch im Augen⸗ blicke keines Rathes bedürftig fühlte.
Hermann hatte ſeinen letzten Abend dem innigſten Freundespaare, Ludwig und Lina, zugeſagt, die ihm noch einige Bekannte einladen wollten. Allein gerade dieſer Abend blieb ihm auch nur zum Abſchiede bei Madame Simeon, nachdem ſie ihm auf ſein früheres Anmelden des Vormittags hatte herausſagen laſſen, ſie erwarte ihn auf den Abend zu einer kleinen Geſellſchaft. Wegbleiben konnte er nicht; er mußte, abgeſehen von aller Schicklich⸗ keit, Cecile noch einmal ſprechen, um ihr wenigſtens an⸗ zudeuten, wie ſehr es ihm am Herzen liege, ſie bei ſei⸗ ner Rückkehr noch in Caſſel zu finden. Auch hatte er ihr noch Lina's Wunſch mitzutheilen und einen Beſuch derſelben zu verabreden. Es blieb ihm daher nichts übrig, als beide Einladungen zu verbinden. Sein Koffer war gepackt; er mußte zu Madame Simeon in dem gewöhn⸗
lichen Anzuge ſeiner einfachen Abendbeſuche gehen, den er ohnehin zurücklaſſen wollte.


