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Madame Simeon hatte ſich indeß wieder losgemacht, und brannte auf die Mittheilungen der Generalin.
Dieſe fuhr vertraulich fort:
Sie erinnern ſich doch, daß Adele Le Camus eines Abends ſehr bewegt von der Oberhofmeiſterin nach Hauſe kam, und in unbegreiflicher Haſt und Verwirrung Morio umarmte, um Verzeihung bat und ihm ihr Jawort gab? Der verliebte Tropf hat es ja ſelber aller Welt erzählt, hat es der freundſchaftlichen Ueberredung der Gräfin Ober⸗ hofmeiſterin zugerechnet, die Adelen zur Einſicht gebracht haben ſollte. Ha! ha! Ich ſage Ihnen, es iſt zum Todt⸗ lachen! O daß er noch nicht abgereiſt wäre; ich könnte ihm jetzt ein Licht anzünden! Aber er kommt wieder zu⸗ rück, und dieſer Fürſtenſtein ſoll uns nicht umſonſt den Affront angethan haben, mir und meiner gekränkten Me⸗ lanie! Warten Sie nur, Le Camus! So wahr ich lebe, Madame Simeon——! Doch, Sie werden ſich gleich ſelbſt ſagen können, welche Revanche in meine Hände gegeben iſt, wenn ich dieſe Ehe Morio's zerſtoͤre.
Aber, mein Gott, Sie erſchrecken mich,— Sie ſind entſetzlich, Madame! flüſterte die Miniſterin, indem ſie, mit wachſamen Blicken auf ihre Geſellſchaft, ſich mit der leidenſchaftlichen Frau weiter zurückzog, und der Tochter winkte, ſich der Unterhaltung anzunehmen.
Ich erzähle es Ihnen lieber ein andermal, verſetzte die Generalin. Ich fürchte, wir fallen der Geſellſchaft auf.
Madame Simeon drang aber darauf, wenigſtens das Allgemeinſte zu hören.
Machen Sie mir nur mit einem einzigen Worte be⸗ greiflich—! bat ſie. Sie wiſſen, Sie allein ein


