Teil eines Werkes 
Bd. 3König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 2 (1855)
Entstehung
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Sie ſind ſehr liebenswürdig, mein Herr, ſagte ſie mit verſchämter Coquetterie. Aber, wollen Sie ſich wirklich nicht zu mir ſetzen und den Oheim erwarten?

Hermann entſchuldigte ſich, daß er ſelbſt erwartet werde, und ſagte, als ſie nach ſeinem Namen fragte:

Sie werden ihn ſchwerlich gut behalten können. Mein Name iſt noch gothiſcher als das Schloß. Ich will ihn lieber aufſchreiben.

Er trat an das offene Pult am Fenſter, und ſchrieb auf ein Blatt:

Doctor Hermann Teutleben, der nur die reizende und liebenswürdige Nichte angetroffen, wird nach ſeiner Rückkehr aus Holland wiederkommen, auch den berühm⸗ ten Oheim derſelben zu begrüßen.

Indem er ſich nun zu gehen verneigte, reichte ſte ihm die Hand entgegen, indem ſie mit verſchämter Miene ſagte:

Entſchuldigen Sie mich, daß ich ſo liegen bleibe! Ich darf mich eben nicht ſehen laſſen. Ich ſage Ihnen ſo Adieu. Es thut mir leid, daß Sie nicht bleiben können. Aber kommen Sie bald wieder! Pigault iſt oft, aber nicht immer abweſend.

Wie Hermann die zarte Hand erfaßte, empfand er einen leiſen Druck, und es kam ihm vor, als ob ihr Arm kürzer würde. Er erſchrak heftig über dieſe Art von Krampf und eilte fort. Das Hündchen bellte ihm nach, und Babet rief ärgerlich:

Willſt du kuſchen, Babiche!

Koenig, Jeröme's Carneval. II.