Teil eines Werkes 
Bd. 3König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 2 (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

384

Alſo in der Stadt? fragte er.

Verzeihung, mein Herr, hier am linken Schloßflügel, durch einen Gang mit dem Schloß verbunden, iſt ein ganz artiges Theater, ganz nahe, wo wir wohnen.

Bei dieſemwir wohnen erinnerte ſich Hermann, daß aber nicht was ihm Lebrun von einer liebens⸗ würdigen Babet vorgeplaudert hatte, mit der er hier oben des reizenden Aufenthalts genöſſe. Er fragte daher leicht⸗ hin, ob er die Ehre habe, Madame Lebrun?2

Dieſe Frage ſetzte die Schöne in neue Verlegenheit, wie es ſchien. Sie rückte mit einiger Ueberlegung ihrer Antwort ſich in der Sophaecke zurecht, wobei der linke kleine Fuß, vielleicht nicht ganz zufällig, unter dem Tuch hervorglitt, und indem ſie die dunkeln Locken aus dem Geſichte ſtrich ein runder Arm und auf einige Momente eine weiße volle Bruſt vom Shawl entblößt wurden. Das verlegene Lächeln ging in ein verſchmitztes über, und das dunkle, etwas trübe Auge, das, von zarter Braue überwölbt, in einem bläulichen Ringel ruhte, halb zuge⸗ drückt, lächelte den Freund an, als ſie auf ſeine Frage verſetzte:

O nein, mein Herr! Der alte Pigault iſt mein ſchützender Freund.

Ah! entgegnete Hermann mit entſchuldigender Ver⸗ neigung. Ich erinnere mich nur, daß er mir von dem

reizenden Aufenthalt in dieſem wie er es nannte

gothiſchen Schloß erzählte, und weiß nun nicht, ob er blos die Reize meinte, die man im Ausblick durch die hohen Fenſter wahrnimmt, oder auch jene, die man auf dem Sopha noch bequemer hat.