Teil eines Werkes 
Bd. 3König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 2 (1855)
Entstehung
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Ich dachte mir gleich, daß du ſolche Vermuthungen faſſen koͤnnteſt, verſetzte er, und nur darum ſprach ich zurückhaltender von Cecile. Offen geſtanden, hat mich die Nichte der Frau Miniſterin bis jetzt nur als an⸗ muthiges, reizendes Räthſel intereſſirt.

Hermann ließ ſich noch weiter über den Gegenſtand aus, der ihn ſo lebhaft einnahm, ohne zu bemerken, daß Lina kaum offenes Ohr dafür hatte. Sie war von den widerſprechendſten Empfindungen bewegt, ja erſchüttert. Ihre Mittheilung über Thereſens Neigung ſchien den Freund nur aufzuregen, um bei einer räthſelhaften Frem⸗ den auf Entdeckung Deſſen auszugehen, was er dort in Thereſen nicht erkannt hatte. Dies war aber nicht das einzige Schuldbewußtſein, womit ſie ſich beunruhigte. Sie machte ſich jetzt auch die kleine Schadenfreude zum Vor⸗ wurf, mit der ſie ihm ſeine Selbſttäuſchung vorgerückt hatte, und noch bitterer tadelte ſie ſich über die heimliche Zufriedenheit, daß ihr der theure Fretand gegen Thereſens Neigung für ihn ungetheilt erhalten war. Und nun ſollte er ihr vielleicht auf ſchlimmere Weiſe verloren gehen. Eine unſägliche Angſt überfiel ſie, ein tiefes Leid miſchte ſich in ihre ſtürmiſchen Gedanken. Was ſollte, was durfte ſie thun? Sie wagte kein Wort, im Vorgeflähl, daß ſie mit dem erſten Laut in Thränen ausbrechen könnte. Den⸗ noch drängte es ſie zur Erklärung. Denn ſiee näherten ſich mit jedem Schritt ihrer Wohnung, und ſie bemerkte von weitem ihren Ludwig, der im Mondſcheinn, ihrer harrend, im Fenſter lag.

So waren Beide, innerlich mit ſich beſchäftige⸗ eine Strecke ſchweigſam neben einander fortgewandelt, bies end⸗