Teil eines Werkes 
Bd. 3König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 2 (1855)
Entstehung
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lich Lina ſoviel Faſſung über ſich gewonnen hatte, um leiſe und haſtig zu ſagen:

Ich muß dir geſtehen, lieber Hermann, daß Madame Simeon, wie ich ſie kenne, mir wenig gutes Vertrauen zu einer Nichte gibt, die von dieſer Welt⸗ und Geſell⸗ ſchaftsdame ſo vorſichtig verborgen gehalten wird. Wie eitel oder ſtolz würde ſie nicht ein ſo intereſſantes Mäd⸗ chen in die höhern Cirkel führen, wenn keine bedenkliche Rückſicht dabei wäre. Aber ich will dieſe Cecile, die du ſo liebenswürdig findeſt, nicht voraus verurtheilen. Dein Glück bleibt allerdings auch dein eigenes Werk und Wag⸗ niß; aber du weißt, welchen Antheil wir, Ludwig und ich, daran nehmen. Verſprich mir keinen entſcheidenden Schritt zu thun, ehe ich Cecile geſehen und wir nähere Erkundigung über ſie eingezogen haben!

Als Hermann nachdenklich ſchwieg, blieb ſie ſtehen

und ſagte dringlicher:

Meine Schuld, Hermann, gibt mir ein Recht, mich in dieſe Angelegenheit einzudrängen. Ich habe dich durch meine Mittheilung irre gemacht. Weil du eine zarte Nei⸗ gung nicht erkannt haſt, willſt du es nun deſto kühner auf eine räthſelhafte Liebe wagen. Aber wer eine echte Liebe nicht erkannt hat, muß deſto vorſichtiger ſein, ſich in einer bethörenden nicht zu verwirren. Alſo? Ich will Cecile beſuchen; kündige mich ihr an, verſchaffe mir ihre Zuſtimmung, ſie zu ſehen.

Sie kamen an die Haustreppe, und Hermann ſagte:

Du haſt Recht, herzliche Lina! Wahrlich, wenn ich mich recht bedenke, war es auch meine Abſicht noch gar nicht, mich gegen Cecile zu erklären! Offen geſagt, hange