Teil eines Werkes 
Bd. 3König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 2 (1855)
Entstehung
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dieſer brave Nathuſtus fühlen, dem ſie das ganze Gaſt⸗ mahl der Liebe anrichtet! Aber, ich goͤnne es ihm!

Lina hörte ihm lächelnd zu. Sie überlegte, ob und wie ſie ihm wol offenbaren möchte, was einſt ihr eige⸗ nes Herz ein wenig beunruhigt hatte. Endlich, als er nicht fertig werden wollte, ſagte ſie:

Nun ja, lieber Hermann, das haſt du eben Alles verloren. Das blühte dir, du blinder Heſſe aus Halle, und du erkennſt es noch heut nicht einmal in der Nach⸗ blüte, die auch für dich ſtark genug duftete. Rühmſt dich, dies ſchöne Herz erkannt zu haben; nun ja, eine halboffene Blüte haſt du erkannt, aber ohne den Sinn für den Duft, mit dem ſie dich umhauchte. Nun ſie, möcht' ich ſagen, von liebewerbender Hand berührt, ſich von ihrem Stengel löſt, ſind die Blütenblätter zu einem glänzenden Gefieder geworden, und du erſtaunſt des ſchmel⸗ zenden Geſanges, du empfindeſt nun den Liebesduft, der Ton geworden iſt, aber verſtehſt ihn noch immer nicht. Um proſaiſch zu reden, lieber Freund, ſage ich dir einfach, Thereſe liebte dich ſeit unſerm Polterabend. Da du das aber nicht erkannt, nicht geahnt haſt, ſo war wol dein Herz für das ihrige nicht geſtimmt. Sie hat es einem würdigen Manne zugewendet, und was ſie dir heut zu deiner Bewunderung gezeigt, war, nmoͤcht' ich ſagen, die Abfindung einer ungekränkten, entſchloſſenen Mädchen⸗ ſeele mit ihrer unerkannten Liebe.

Hermann war ſtehen geblieben und ſah die Freundin betroffen an.

Lina! rief er verlegen und zweifelnd zugleich, indem er ihre Hand ergriff, als bedürfe er ſolcher Beſtätigung