18
Ich habe drunten am kleinen See geſeſſen und geträumt, und ich kann Ihnen nicht ſagen, lieber Freund, wie wohl mir geworden.
Ja, erwiderte er, man wird nicht leicht wieder jene tiefe Einſamkeit des kleinen Sees mit der hohen und doch nicht weniger ſtillen Fernſicht von hier oben ſo dicht bei⸗ ſammenfinden— drunten zur Einkehr, hier zum Aus⸗ blick für eine beſchauliche Seele. Mein Familiengut Eſ⸗ ſenrode bei Braunſchweig iſt mir ſchon manchmal eine hei⸗ lende Zuflucht geweſen, und wenn ich mich je in eine Ver⸗ bannung finden müßte, moͤchte es dort ſein. Doch erin⸗ nere ich mich keines Platzes aus irgend einer Gegend, der mich in ſeiner wirklichen Lage und Einrichtung ſo lebhaft mit dem Wunſche nach einem ländlichen Beſitz angeſpro⸗ chen hätte, wie dieſes allerliebſte Schloͤßchen mit ſeinem
kleinen Park. Doch Einrichtung will ich gerade nicht
ſagen, wenigſtens wie das Innere jetzt iſt. Viele wer⸗ den es anſtaunen: mir iſt es zuwider durch die Ueppig⸗ keit des Geſchmacks. Es iſt das Schlößchen eines ara⸗ biſchen Emir mit Divan, Teppichen, Gemälden, Blumen⸗ vaſen und Geſtellen, Spiegeln und Vorhängen. Dieſe — muß ich wol ſagen— wohllüſtige Einrichtung hat Hintergedanken oder Vorbeſtimmungen, die wenig mit den ſeligen Empfindungen der Naturlage in Harmonie ſtehen. Hier wäre mir es ein Aufenthalt für Dichter und Denker, eine Zuflucht mehr für einen Staatsmann, als für einen König. Welche Stille unter dieſen Baumgruppen, um zu erfinden und des Erfundenen froh zu werden! Welche Anregung, etwas zu erforſchen, und das Erforſchte einer theilnehmenden Seele auszuſprechen! Und von der Geſell⸗
—


