Teil eines Werkes 
Bd. 3König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 2 (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

46

ſtellen. Nicht lange, ſo fuhren beide Majeſtäten an, ſtie⸗ gen aus, und der⸗Empfang der Anweſenden begann mit den beiden Gräfinnen, der krank⸗ und der verreiſtge⸗ weſenen.

Die Königin erſchien zur allgemeinen Ueberraſchung zum erſten mal in dem neuen Frauenorden, den der Kö⸗ nig geſtiftet und in den koſtbaren, in Paris gefertigten Inſignien eben von dort erhalten hatte. Zwei überkreuzte Schwerter, mit Diamanten beſetzt, bildeten die Grund⸗ form des Schmuckes. Der Orden war ausſchließend für Damen beſtimmt, die der König nach eigenem Wohlge⸗ fallen auszeichnen wollte. Die erſte Verleihung aber hatte die Königin für ihre Großhofmeiſterin gewunſcht, und Jeröme, indem er ſich gegen ſeine Gemahlin galant er⸗ wies, folgte dabei doch ſeiner eigenen Neigung, die eben der Gräfin, ganz im Sinn ſeiner Stiftung, zugewendet war. Er überreichte der Königin die Kapſel, worin der Schmuck in veilchenblauem Sammet lag, und Katharina befeſtigte ihn ſelbſt an der Bruſt der Gräfin, die ſich dazu tief und anmuthig neigte.

Nur der Gräfin Boochls konnte man dabei eine em⸗ pfindliche Miene anſehen. Jeröme, dem es nicht entging, näherte ſich ihr nach der Ceremonie des Empfangs, und die Anweſenden wendeten ſich ſogleich mehr der Koͤnigin zu. Denn es war am Hofe eingeführt, daß die Um ſtehenden, ſobald der König mit einer Dame anknüpfte, ſich aus dem Bereich des Hörens zurückzogen. So fand eine flüchtige, aber ſehr vertrauliche Wechſelrede zwi⸗ ſchen Beiden ſtatt, von der ſchlauen Gräfin mit Mie⸗ nen und Geberden der Ehrerbietung begleitet, die mehr