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Die Gräfin erhob ſich und nahm den Fußſteig, der vom kleinen See ſich an dem Höhenzuge ſanft empor⸗ windet, dem entlang ſchattige Baumreihen und über gra⸗ ſige Böſchungen abſinkende Pfade laufen, da und dort mit Ruhebänken beſetzt. Mit tiefern Athemzügen erreichte ſte, unter den Bäumen hervortretend, den freien Platz vor dem kleinen Schloſſe.
Dies ſtellt ſich höchſt einfach dar: früher Privat⸗ beſitz einer adeligen Familie, von der es Jeröme erworben hatte. Zwei gleichförmige Landhäuſer ſind wie zwei Pa⸗ villons durch einen Zwiſchenbau verbunden, der in etwas größerm Stil einen ſchwebenden Salon trägt und hier⸗ unter die Anfahrtshalle bildet. Seitwärts halten ſich, hinter Bäumen verſteckt, die Oekonomiegebäude mit Stal⸗ lung und Wagenſchuppen; wie ſich denn auch die Gemüſe⸗ und Obſtgärten durch eine Hecke vom kleinen Park ſcheiden und den ſüdlichen Abhang der Höhe ſuchen. Buſchwerk mit traulichen Verſteckſttzen umgeben den freien, mit Blu⸗ menſcherben und Gewächskübeln geſchmückten Platz. Und wie man aus dieſer Abgeſchloſſenheit hinaus an die offenen Raſenplätze mit auslaufenden Sandwegen tritt, findet man ſich auf dieſer Hochebene von einer doppelt reizenden Fernſicht, hier aufwärts, dort nach der Tiefe, überraſcht. Links erhebt
ſich nämlich das Auge nach dem Zuge des Habichtwaldes mit
dem grauen, erhabenen Schloß unter dem Hercules; rechts hinab, jenſeit der waldigen Au des Fuldathales, erſtreckt ſich die anmuthige Landſchaft nach dem ſanften Zuge der Söhre und dem nördlichen Laufe des Reinhardswaldes hin. Caſſel ſelbſt, ſo nahe es iſt, verſteckt ſich hinter der baum- und gartenreichen Erhöhung des ſogenannten Weinberges.
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