Teil eines Werkes 
Bd. 3König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 2 (1855)
Entstehung
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In dieſer Stimmung befand ſich die Gräfin. Sie hatte Leidiges erfahren, was ihr leichter Sinn verſchuldet, aber ihr tieferes Herz noch nicht verwunden hatte. Wie die meiſten Hof⸗ und Weltleute von Aeußerlichkeiten einge⸗ nommen, und wenig gewohnt, ſich über Widerſprüche und Misbehagen ihres Innern Rechenſchaft zu geben, überließ ſie ſich diesmal vielleicht in Folge ihrer letzten Ein⸗ ſamkeit der Einkehr in ihr ſuchendes Gemüth. Sie überblickte die leiſen Windungen ihrer neckiſchen Laune, die ſich zu einem Verhängniß verſchlungen hatten, das ſich wer wußte, in welche Folgen noch ausfaſern konnte. Wie gedemüthigt fühlte ſie ſich jetzt! Dennoch war ſie weniger zerknirſcht als beängſtigt. Es beruhigte ſte nicht ganz, daß ihr Spiel mit den deutſchen Lectionen ohne äußern Verdruß für ſie ſelbſt abgelaufen war; eine nagende Bekümmerniß blieb zurück, daß es vielleicht mit der raſchen Verlobung, die Adele eingegangen, doch nicht für immer abgethan ſei. Und hatte ſie nicht ſelbſt, in der Eingebung des angſtvollen Augenblicks, dem unglücklichen Mädchen den erſten Anſtoß dazu gegeben? In dieſer immer wiederkehrenden Beſchämung hatte ſie ſich auch zu befangen gefühlt, das Paar, als es zu Beſuch angefah⸗ ren, bei ſich zu ſehen. Der Gedanke an Hermann traf vollends die leidmüthigſte Stelle ihres Herzens. An dem edeln jungen Mann hatte ſie ſich ſie wußte ſelbſt nicht wie ſchwer verſündigt; denn ſie wußte ja auch nicht, in welchem Gemüthszuſtand er jetzt lebte. Er ſtand ihr nur lebhaft aus dem Augenblicke vor der Seele, in wel chem er bei des Königs Anfahrt ins Ankleidezimmer ver⸗ ſchwunden war. Es kam ihr vor, als ob ſein verſcheuch