Teil eines Werkes 
Bd. 3König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 2 (1855)
Entstehung
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lich hinter hohen Bäumen und blühendem Buſchwerk ver⸗ ſteckten Landſitze führte. Sie ließ halten und ſtieg aus, um lieber, da es noch Zeit war, ihrer Stimmung nach⸗ hangend, den gewundenen Fußweg links hinauf einzuſchla⸗ gen. Von dem Bedienten aus der Ferne begleitet, wan⸗ delte ſie an der waldigen Einfaſſung hin und befand ſich unvermerkt im Bereich des kleinen Parks.

Ein Waſſerſpiegel ſchimmert hervor, und von einem leichten, waldigen Hügel überblickt man den traulichſten kleinen See, den ein Fremder hier nicht vermuthet hätte. Dichte Baumgruppen allerbunteſten Grüns faſſen ihn ge⸗ heimnißvoll ein, und über ſeinen länglichen Spiegel hin gleitet der Blick nach einem dicht und hoch bewachſenen Eiländchen. Man glaubt ſich plötzlich in einen engen Ge⸗ birgsſchoos verſetzt, und da man rings um das ſchillernde Waſſer nur Baumgruppen in die Lüfte ſteigend und in der Flut abgeſpiegelt erblickt, ſo macht dieſer Miniaturſee durch ſo einfache Umgebung und durch die Empfindung einer tiefen Einſamkeit einen ſein körperliches Maß weit überſteigenden Eindruck.

Dieſer Betrachtung nachzugeben ließ die Gräfin ſich auf dem aus Holzſtäben zuſammengefügten Kanapee nie⸗ der, das auf dem kleinen Hügel, über alten Baumwurzeln, von dichten Stämmen eingefaßt und gehalten daſtand eine Einſiedelei, nicht für Jeröme'ſche Franzoſen, wol aber für eine von Leid bewegte deutſche Seele, die an dem von den Abfällen der Bäume etwas getrübten, die Wipfel und einen ſchmalen Himmel abſpiegelnden Waſſer ein Ab⸗ bild ihrer Stimmung, von Erinnerungen ihres Lebens, von Ahnungen der Unendlichkeit durchzittert, vor ſich hatte.