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alte Poet die Anfangsverſe der ſchönen Ode geſungen hatte:
Beatus ille qui procul negotiis
Ut prisca gens mortalium
paterna rura bobus exercet suis.
Glückſelig Jener, der von Geſchäften frei,
So wie's die Väter hergebracht,
Das Feld mit ſeinen ruhigen Ochſen pflügt.
Der König hatte das ländliche Schlößchen Schönfeld neu einrichten, und den kleinen Park, der es umgab, ver⸗ ſchönern laſſen. Es ſollte nun durch den Beſuch der Kö— nigin eingeweiht werden, und Jeröme hatte ſich eine artige Ueberraſchung für ſie ausgedacht. Ein ländliches Mahl war vorbereitet, und ſollte im Freien, bei verſteckter Muſik, eingenommen werden. Eine kleine, ausgewählte Gaſtge⸗ ſellſchaft war dazu geladen.
Auch die Gräfin Antonie, die ſich jetzt erſt wieder zum Dienſte der Königin angemeldet hatte, kam von der Stadt aus dahin. Vor dem Frankfurter Thor, um den Wein⸗ berg wendend, fiel ihr Blick nach den kahlen Kuppen des Habichtwaldes, die, von durchſonntem Dufte mit weichem
Blau umſponnen, ſich vor der Abwärtsfahrenden zu er⸗
heben ſchienen. In ihrer verzögerten Einſamkeit und durch das Erlebniß jenes verhängnißvollen Abends war ſie von ungewohnter Weichmüthigkeit bewegt, und hätte lieber im⸗ mer weiter in den ſeligen Abend hineinfahren mögen, als daß ſie nun wieder dieſen leichtſinnigen, lachenden Hofkreis betreten mußte.
Aber ſchon lenkte ihr Wagen von der Landſtraße rechts ab in eine Seitenallee, die ſanft bergauf nach dem trau⸗
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