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anzuſehen. Der Köͤnig, der ſeine Abſicht verſtand, rief heiter aus:
Ha, mein lieber Graf, das gefällt mir von Ihnen! Nicht wahr, man empfindet doch anders, wenn Einem die liebenswürdige Frau zu lange ausbleibt? Das hat unſere reizende Franziska nun davon! Angenommen, lie⸗ ber Graf! Verabreden Sie die Sache mit Marinville— der verſteht's. Ich bin aber recht begierig, wie Sie als Wirth den Ceremonienmeiſter machen werden, wo— das Coſtüm wegfällt! Ha, ha!
Die Rückſprache des Grafen mit dem Baron Couſin von Marinville betraf beſonders auch die Auswahl der einzuladenden Gäſte. Es konnten begreiflicherweiſe nur Männer des geeigneten Vertrauens ſein,— nicht gerade von hohem Rang, aber von Tact und Manier bei an— ziehender Perſönlichkeit, mit denen der König unbefangen im menſchlichen Unterfutter ſeiner purpurnen Würde ver⸗ kehren mochte. Die Gunſt dieſes Vertrauens wechſelte wol auch nach den Umſtänden und Gelegenheiten, weniger vielleicht unter den Franzoſen, den alten Bekanntſchaften Jeröme's aus ſeiner vorweſtfäliſchen Zeit, als unter den Deutſchen, die nur mit Auswahl zu den feinen Partien gezogen wurden.
Die Seele dieſer Ergötzlichkeiten war immerhin und blieb Marinville, der Cabinetsſecretär, Garderobemeiſter und Liebesmerkur Jeröme's, den die zuwachſenden Heim⸗ lichkeiten des Königs, die er bewahrte, im Vertrauen ſei⸗ ner Stellung nur immer mehr befeſtigen konnten. Er war ein junger, hübſcher Mann von feinem Wuchs und geiſtreichem Ausdruck eines ſchmalen, ziemlich regelmäßigen


