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Nach dieſem Hardenberg'ſchen Abende fiel der Graf, vielleicht durch die empfundene Kränkung ſcharfſinniger, auf einen— wie er glaubte— glücklichen Gedanken. Jeröme liebte nämlich, unter andern Nachtſtücken von Luſtbarkeit, auch die in der Muſik ſogenannten Nocturnen. Zwei Hörner zu einer Harfe war ſeine Favoritmuſik— die Harfe von Cäcilie Gallo oder von Madame Taglioni ge⸗ ſpielt. Blangini, der Muſikmeiſter der Köͤnigin, über⸗ haupt ein recht guter Componiſt, beſaß ein beſonders glückliches Talent für ſolche Notturno's, die ſich durch Anmuth und Lieblichkeit auszeichneten. An ihn wendete ſich Graf Boochls, und war ſo glücklich, einige neue Sachen der Art zugeſagt zu erhalten, da Blangini mit italieni⸗ ſcher Schlauheit jede Gelegenheit benutzte, ſich durch Män⸗ ner von Einfluß empor zu bringen.
Ein muſikaliſcher Abend im engen Cirkel ſollte aber nur zum Vorwand und Deckmantel einer Beluſtigung die⸗ nen, die dem Grafen eigentlich zuwider war, die aber der König von Paris her liebte und auch in Caſſel ſchon einige mal begünſtigt hatte. Man nannte es eine partie line, ſo wenig fein es auch dabei zuging.
Der König hatte ſchon mehre mal ſeinen Spaß an der Aengſtlichkeit gehabt, womit der Graf ſich bei dem freien Benehmen gegen die Damen, das bei Hofe im ver⸗ trauteſten Kreiſe herrſchte, beſonders aber gegen ſolche feine Partien geberdete. Er war daher einigermaßen über⸗ raſcht, als derſelbe bei ſeiner Einladung zu einem klei⸗ nen muſikaliſchen Abende lächelnd anfragte, ob es Seiner Majeſtät nicht unangenehm ſein würde, hinter ein paar neuen Notturno's her ein— vertrauliches Ballet mit⸗


