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witwer in gelinde Verzweiflung darüber, daß ſie ihn ge⸗ rade jetzt im Stiche ließ, wo ihm Alles daran lag, mit Ergebenheit gegen den König nicht hinter den Familien zurückzubleiben, die mit Aufmerkſamkeiten gegen die Ma⸗ jeſtäten einander überboten. Er hatte ſchon hin und her überlegt, was er als Garcon für das Vergnügen ſeines königlichen Herrn thun könnte. Gerade als ſolcher hätte er ſich jetzt um ſo lieber hervorgethan, als er ſich ſeit der Abweſenheit ſeiner Gemahlin vom Könige kälter behandelt glaubte. Eine Angſt überfiel ihn, wenn er bedachte, die Geſellſchaft könnte auf den Gedanken kommen, daß die ihm bisher beneidete Gunſt Jeröme's mehr auf den üppi⸗ gen Schultern ſeiner Gemahlin, als auf ſeinem hofmänni⸗ ſchen Anſehen und auf ſeinen perſönlichen Verdienſten im Staatsrathe ruhe.
Der Graf war bei mittler Größe ein ſtattlicher, etwas corpulenter Mann, vornehm von Ausſehen, ein wenig umſtändlich im Gebahren, nicht ohne den Ausdruck von ſtolzer Feſtigkeit in ſeinen Zügen und Mienen. Dennoch beſaß er gerade am wenigſten entſchiedenen Charakter, und war vielmehr ſchwach und nachgiebig, oft gegen ſeine Ueberzeugung, gefällig nicht ſelten im Widerſpruche mit Dem, was er ſonſt als ſeine Grundſätze bekannte. Uebri⸗ gens erſchien er überall rechtlich und wohlwollend, wo er auf eigenen Füßen ſtand, und hatte ſelbſt fromme An⸗ wandelungen, wenn er im Widerſpruche mit ſeinen beſſern Empfindungen handeln mußte. So ſchien er wie vorbe⸗ ſtimmt zum Ceremonienmeiſter eines Hofes, der nach außen gern die höhere Würde vertreten ſah, an der es innerlich gar oft fehlte.


