Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

mich in ihre hohen Geſinnungen für das öffentliche Wohl! Ich könnte alle Frauen, die bereit ſein möchten, mir ihre Gunſt zu gewähren, unbedenklich um die Eine hingeben, die ſoviel Reiz und Anmuth, Geiſt und Herz in der einen Perſon beſitzt, und Alles vereinigt, was ein König zu ſeinem Glück nicht entbehren, was er aber ſonſt nur vertheilt finden kann. Wenn ich glücklich machen ſoll, muß ich mich ſelbſt beglückt fühlen, indem ich lieben darf, was ich bewundern muß.

Bei dieſen Worten faßte er mit einnehmendem Anſtand die Hand der Gräfin, ſie an ſeinen Mund zu drücken. Im Fortgehen ſagte er lachend:

Der Graf Hardenberg mit ſeiner Geſellſchaft wird ſich wundern, wo ich ſolange bleibe. Ich werde ihm ſagen, Amor ſei ein kleiner Sansculotte, und trage keine Taſchenuhr.

Nein, Sire, verſetzte die Gräfin, Sie dürfen den Amor nicht zum Revolutionär gegen die gute Sitte machen!

Als ſie aus dem Salon, wohin ſie den König ge⸗ leitet hatte, in ihr Zimmer zurücktrat, ſtürzte ihr Adele in leidenſchaftlicher Verwirrung entgegen.

Mein Gott, wie ſehen Sie aus! Adele? Was iſt geſchehen? Adele? Reden Sie doch, rief die Gräfin ganz betroffen.

Adele warf ſich ihr in die Arme, preßte ſie an ihre Bruſt. Sie zitterte und bebte.

Auch die Gräfin konnte vor Herzklopfen kein Wort mehr hervorbringen. Was ahnte, was fürchtete ſie nicht! Ein bitterer Unmuth über ſich ſelbſt ſtieg in ihrer Bruſt

Koenig, Jeroͤme's Carneval. I. 27