Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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Dolmetſch der Liebe meines Volks ſein wollen. Geben Sie dann aber auch dieſer Vermittelung all' die Wärme und unbedingte Hingebung, die ich von meinem Volk er⸗ warte! Nur Sie, herrliche Prinzeſſin, haben Reichthum der Seele und zugleich perſönliche Liebenswürdigkeit ge⸗ nug, um die tauſendfache Liebe eines beglückten Volks ſeinem König zu überliefern, und dieſen in gleichem Maße und im Namen des Volks wieder zu beglücken. Ja, ich liebe mein Volk, und habe auf meiner Umreiſe die ſchön⸗ ſten Beweiſe von der Liebe deſſelben erhalten. Ich habe das auch dem Kaiſer, meinem Bruder, geſchrieben. Aber ſehen Sie, meine liebenswürdige Prinzeſſin, der Kaiſer ſelbſt kürzt mir die Mittel, mein Volk ſo raſch, wie ich wünſchte, zu befriedigen. Seine Anfoderungen an mein Land ſind unerſchwinglich, und er durchkreuzt in jeder Richtung mit ſeinen europäiſchen Gedanken meine weſt⸗ fäliſchen Abſichten.

Ei, Sire, ſo behaupten Sie ſich gegen den Kaiſer als unabhängiger Regent, als ſouverainer König! rief die Gräfin aus. Der Kaiſer ſelbſt nennt Sie ſouverain; zeigen Sie ihm, daß Sie es ſind!

Oho! lachte Jeröme. Sie kennen den Kaiſer nicht. Das gäbe einen Proceß, der in letzter Inſtanz durch das Schwert entſchieden würde. Glauben Sie, daß ich ihn gewänne? Aber denken Sie darum nicht, daß es mir an allen muthigen Abſichten fehle. Wollen Sie mein Ge⸗ heimniß gegen Ihre Verzeihung eintauſchen?

Er reichte ſeine Hand hin, und die Gräfin war ge⸗ ſpannt genug, einzuſchlagen. Er küßte die ſchöne kleine Hand, und ſagte halblaut: