Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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zeſſin, ſagte er. Sie meiden den Hof, die Königin ent behrt Ihres Umgangs; Sie laſſen Andere dafür büßen, daß ich Sie beleidigt habe. Iſt das nicht Groll? Ich hätte nicht gedacht, daß Sie ſoviel Kälte für mich in der reizenden Bruſt trügen.

Sie thun mir Unrecht, Sire! antwortete ſie. Es iſt kein Groll; aber ich betrübe mich darüber, daß Sie meine Theilnahme, meine entgegenkommende Freundſchaft für Sie

ſo misverſtehen konnten, um mir Zumuthungen zu ma⸗

chen, die mich in meiner Perſon, in meinem Intereſſe für Sie, wie in meiner Stellung an Ihrem Hofe, herabwür⸗ digen. Ihr Herz, ſagen Sie, bedürfe der Liebe; ich glaube es, aber es hat, wie mir ſcheint, noch keinen Man⸗ gel gelitten, ſondern ſich vielleicht durch den Ueberfluß ver⸗ wöhnt. Es gibt auch eine Liebe, Sire, die ſich nicht nach körperlichen Gewichten ſchätzen und empfangen läßt, ſondern zu den unwägbaren, aber belebenden, ſchaffenden Kräften gehört. Ich glaubte ſo etwas für einen jungen Souverain zu empfinden, dem eine neue Macht in einer neuen Zeit verliehen iſt, aber unter einer ihm fremden Nation, und für ein Volk, das nicht ohne Aengſtlichkeit, ich weiß nicht, ob vielleicht auch mit einigen Mis⸗ trauen, ſein Glück von ihm erwartet. Sehen Sie, da iſt eine Welt von Liebe zu erobern! Ich hielt es meiner Perſon und Stellung für eine Gunſt, als Vermittlerin dieſer Liebe zu gelten. Sie haben mich misverſtanden, Sire, wenn Sie mich zu jenen liebenswürdigen Frauen zählten, die eines jungen Königs Liebe für ſich ſelbſt ſuchen. Ich weiß es, daß König Jeroͤme von der Abſicht beſeelt iſt, ſein Volk zu beglücken. Wenn er aber zu