Teil eines Werkes 
Bd. 2König Jerôme's Carneval : geschichtlicher Roman ; in drei Theilen : Th. 1 (1855)
Entstehung
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heimlichen Zuſammenkünften, daß du Dinge erfährſt, die wir für unſer glückliches Zuſammenleben nicht zu wiſſen brauchen, oder daß ihr euch gar in Uebertreibungen hin⸗ einhetzt, nur um euch in euerm Tadel und Widerwillen gegen das neue Regiment und über die Lage des Landes zu beſtärken.

Ludwig, ſolches Misverſtändniß von ſich ablehnend, ſuchte ihr begreiflich zu machen, daß die Geſellſchaft, zu⸗ mal in dieſer Reſidenz, wenn nicht durchaus, doch ſchichten⸗ weiſe wirklich von Entſittlichung mehr und mehr durch⸗ drungen werde.

Ihr guten Frauen wollt nicht einſehen, ſagte er, wie eine zerfallende Zeit, die allmälige Auflöſung abgelebter Zuſtände, ſtets von einer ſittlichen Fäulniß begleitet iſt.

Hier in Caſſel kommt die eigenthümliche Miſchung der

Geſellſchaft noch beſonders verderblich hinzu. Dieſe krei⸗ ſenden Moleculen oder Weichklümpchen der franzöſiſchen Revolution, die vom Kriegsſtrome des großen Eroberers herbeigeführt werden, ſetzen ſich zuerſt in den ariſtokrati⸗ ſchen Kreiſen an, wo ſie an der alten, unnationalen Vor⸗ liebe und Sucht des Franzöſiſchen morſche, brüchige Stel⸗ len finden. Die Noth, der Druck kriegeriſcher Verhäng⸗ niſſe, macht dann leider auch die untern, zerquetſchten Claſſen empfänglich für die Anſteckung, die ſich durch das Gemiſch franzöſiſcher Sittenloſigkeit, mit deutſcher, politi⸗ ſcher Charakterloſtgkeit giftig verſchärft, und durch die ſtaatlichen Fugen und Spalten des zerbröckelnden deutſchen Reichs die ganze Nation zu durchſickern droht. Auf dergleichen Anſichten wußte Lina nichts zu er⸗ Wienn dann aber Ludwig hinzuſetzte, daß ein

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