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Funfzehntes Capitel. Ueberraſchungen.
Eine ſo in ſich ſelbſt vergnügte Familie, in einfacher, reinlicher Wohnung, geſund, anſpruchslos, liebevoll gegen einander, hinterließ bei den drei Freunden den heiterſten Eindruck. Nur in Lina's Herz ſchien etwas von dem Scrupel zurückzukehren, den Ludwig ihr gegen Hermann’'s träumeriſche Abende beigebracht hatte. Es erregte ihr ein unſägliches Leid zu denken, daß der liebe Freund wirk⸗ lich von einer heimlichen oder gar verwerflichen Neigung beſtrickt ſei. Allerdings erinnerte ſie ſich auch, daß er ihr einmal durch ſein verſtörtes Weſen aufgefallen war. Sie hatte es ganz andern Urſachen beigemeſſen, und blieb auch jetzt noch geneigt, lieber an ſolchen feſtzuhalten, als ſo
Schlimmes vorauszuſetzen. Wenn es ihr daher ſchon un⸗ 8
erfreulich war, daß Ludwig ihr jetzt, was er früher nie gethan, ſoviel von leichtfertigen Frauen und anrüchigen Liebesverhältniſſen zu erzählen wußte: ſo konnte ſie ſich ihm jetzt vollends gram fühlen, daß er dergleichen nun auch durch Argwohn gegen einen ihm ſelbſt ſo werthen Freund bis in ihren reinen Lebenskreis verſchleppen mochte. Sie hätte die geheimen politiſchen Verbindungen, in die er gerathen war, wie weit verwünſchen mögen!
Siehſt du, Ludwig, ſagte ſie ihm bei erſtem Anlaß, wiederholt und ziemlich lebhaft, das habt ihr eern
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