393 um Mund und Auge von einem Zug der Mutter als Schweſtern bezeichnet. Wie Goethe in einem Gedichte ſagt:
Wie Schweſtern zwar, doch keine ganz der andern.
Lina ordnete ſie dem Alter nach in einen Halbkreis um die Mutter.
Nun ſchauen Sie einmal das Siebengeſtirn, lieber Freund! ſagte ſte. Aber ihr müßt die Mutter umtanzen, Mädchen, wie die Planeten ihre Sonne.
Nichts Sonne! lächelte die Mutter, nein— um die Luna im letzten Viertel, ſagen Sie lieber.
Jetzt, um ſich zugleich der verlegenen Präſentation zu entziehen, faßten die Mädchen einander an den Händen, umtanzten und küßten die Mutter, wobei ſie nach The⸗ reſens Stichwort ſangen: Vollmond, Vollmond! Nicht letztes Viertel!
Alles lachte, und Hermann rief, in die Hände klatſchend:
So iſt's recht! Aber kein Siebengeſtirn!„Die Sterne, die begehrt man nicht!“ ſagt Goethe; lieber wollen wir ſagen— ein blühender Kranz, ein lebendiger Lorber! Und welcher Dichter, Frau Oberappellationsräthin, wel⸗ cher Künſtler kann eine ſolche aus ſeinem eigenen Weſen geſchaffene Krone aufweiſen?
Doch, geehrteſter Herr Doctor, doch iſt der Fall ſchon dageweſen, entgegnete ſie. Mein ſeliger Vater hat mir von Michel Anton Lanius erzählt, welcher Baßſänger des Kurfürſten Clemens Wenceslaus in Coblenz geweſen und
fieben Töchter gehabt hat. Ich kann ſie ſogar noch beim
Namen nennen: Clara, Judith, Thereſe, Dorothea, Mar⸗ gretha, Ida Katharina und Anna Maria— eine immer


