Scala üben— im Lieben! Und weißt du, was ich glaube? Thereſe hat an unſerm Polterabende—
Mit Hermann getanzt und gelacht! fiel Ludwig ein. Laſſen wir's dabei, Lina. Geh'! Kaum vier Wochen ver⸗ heirathet, und gibſt dich ſchon mit Freierei ab! Laſſen wir ihn erſt eine Stellung erringen. Wer weiß denn auch, ob er nicht ſchon eine Neigung hat? Wo bringt er ſeine Vorabende zu? Er kam die Tage her immer ſpäter zur Mutter oder zu uns, ſchien ſo zerſtreut, ſo eigens erregt, und vermied zu ſagen, wo er geweſen. Ich will nicht denken, daß er ſich noch einmal von der Liebe dran kriegen läßt, wie von der Polizei. Er iſt eine auffallende und gefallende Erſcheinung, und unſere hohen Damen haben Sinn und Geſchmack für dergleichen und geſchickte Unterhändlerinnen.
Du biſt aber heut ganz unleidlich, Ludwig! rief Lina heftig und erſchrocken, und ſetzte dann leiſer und mit be⸗ wegter Stimme hinzu:
Siehſt du, das habt ihr von euern heimlichen Zu⸗ ſammenkünften,— daß ihr aus allen Ecken und Winkeln Stoff zur Unzufriedenheit zuſammenkehrt. Nun macht ihr auch noch die Frauen nichtsnutzig, weil ſie höchſtens ein wenig—
Eben trat Hermann im Frack herein, den Jabot her⸗ ausgelegt, den Titushaarſchnitt aufgebürſtet. Auch Lina und Ludwig machten ſich ſchnell zurecht, und ſo ſcolenverte man nach Engelhard's Wohnung.
Sie wurden in das Wohnzimmer gewieſen, wo ſich die Mutter ein paar Augenblicke darauf in häuslichem An⸗ zug mit den beiden älteſten Töchtern zu ihrem Empfang


